Objekt des Monats

 

Im kelten römer museum gibt es viele Ausstellungsstücke zu entdecken. Einige fallen neben den archäologischen Highlights vielleicht nicht sofort ins Auge, doch auch sie haben spannende Geschichten zu erzählen!

In unserer Reihe »Objekt des Monats« stellen wir ausgewählte archäologische Funde und weitere Exponate aus unserer Dauerausstellung oder einer aktuellen Sonderausstellung näher vor.

 

 

Verbogen und verborgen:
Schwerter in Keltengräbern 

Objekt des Monats Mai 2024

Gefaltetes Keltenschwert aus München-Obermenzing

Schwerter üben noch heute eine große Faszination auf ihre Betrachter*innen aus, obwohl oder vielleicht gerade weil sie nicht mehr zur gängigen Kampfausrüstung gehören. Das Schwert ist zu einem Symbol geworden. So kann es in der Hand der Justitia die Klinge der Gerechtigkeit sein, oder als Herrschaftszeichen genutzt werden, wie zum Beispiel in der Artussage. Wenn wir uns das Objekt des Monats Mai 2024 anschauen, stellt sich die Frage: Welche Bedeutung hatte ein verbogenes Schwert?

Während Caesar und Polybios schreiben, dass sich die angeblich mangelhaften Keltenschwerter im Kampf verbiegen würden, berichtet Diodor von einer hohen Qualität der keltischen Schmiedekunst. Das im kelten römer museum zu sehende Schwert ist ein Grabfund aus München-Obermenzing, der in die Mittellatènezeit, d. h. in das 3. Jahrhundert v. Chr., datiert. Hierbei handelt es sich um eine absichtliche Unbrauchbarmachung des Schwertes und nicht etwa um eine durch Kampf verursachte Demolierung.

Die vorsätzliche Deformierung von Votivgegenständen ist am häufigsten bei Waffen zu beobachten. Diese demolierten Funde lassen sich zum einen in den Heiligtumskontext einordnen und stammen beispielsweise aus Gewässern, Höhlen, Felsspalten oder Tempelbezirken. Zum anderen finden sich ab der Mittellatènezeit vermehrt zerstörte Schwerter in Gräbern. Die Beigaben werden verbogen, zerbeult, zerhackt oder im Falle einer Brandbestattung auch durch Feuer unbrauchbar gemacht. Sollte hierbei verhindert werden, dass gierige Grabräuber später den Toten die Beigaben entrissen? Oder orientierte man sich an den Ritualen aus den Heiligtümern?

Es gibt noch weitere Theorien für die Unbrauchbarmachung, eine ist zum Beispiel die Angst vor »Zombies«. Richtig gelesen! Sollte der Verstorbene aus irgendeinem Grund von den Toten zurückkehren, würde dieser Wiedergänger immerhin nicht direkt mit einer funktionstüchtigen Waffe ausgestattet sein. Zum anderen könnte es sich auch um eine »Freisetzung der Seele« des Schwertes handeln, damit sie gemeinsam mit der Seele des Verstorbenen in die Nachwelt reisen könnte. Vielleicht wurden die Waffen aber auch zerstört, damit der Verstorbene sorgenfrei ruhen kann und sich nicht im Grab umdrehen musste, weil jemand anderes sein Schwert schwang? Weniger eschatologisch und mehr symbolisch ist die Theorie, dass mit der Unbrauchbarmachung des Schwertes auch seine Bedeutung als Herrschaftszeichen zerstört wird und so eine neue Nachfolge angetreten werden konnte.

Henrike Wachsmuth

 

Literatur

H. Dannheimer – R. Gebhard (Hrsg.), Das keltische Jahrtausend, Ausstellungskataloge der Prähistorischen Staatssammlung 23 (Mainz 1993) 354 Kat. 490

T. Panke-Schneider, Gräber mit Waffengabe der Mittel- und Spätlatènezeit in Kontinentaleuropa (Mainz 2013) 188–200

M. Schußmann, Die Kelten in Bayern. Archäologie und Geschichte, 3. Auflage (Regensburg 2022) 374 mit Abb. 490

M. Trachsel, Kriegergräber? Schwertbeigabe und Praktiken ritueller Bannung in Gräbern der frühen Eisenzeit (Linz 2005) 53–82

 

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