Ein Schnabel von Welt
Objekt des Monats Dezember 2025

Im kelten römer museum gibt es viele Ausstellungsstücke zu entdecken. Einige fallen neben den archäologischen Highlights vielleicht nicht sofort ins Auge, doch auch sie haben spannende Geschichten zu erzählen!
In unserer Reihe »Objekt des Monats« stellen wir ausgewählte archäologische Funde und weitere Exponate aus unserer Dauerausstellung oder einer aktuellen Sonderausstellung näher vor.
Wenn es um lebensechte Darstellungen römischer Soldaten geht, genießt Graham Sumner inzwischen Kultstatus. Der britische Künstler hat bereits mehrere Bücher veröffentlicht, darunter »Roman Military Clothing« und »Roman Warriors«, die unter Archäologie-Fans als Klassiker gelten.
Unser Objekt des Monats Dezember 2025 stammt ebenfalls aus der Feder von Graham Sumner und ist Teil unserer aktuellen Sonderausstellung »Roms Armee im Feld«. Es handelt sich um die Darstellung eines römischen Legionärs aus dem späten 2. Jahrhundert n. Chr. Genauer gesagt ist es ein Soldat der Legio III Italica pia fidelis. Das Hauptquartier der 3. Italischen Legion befand sich ab dem Jahr 179 n. Chr. in Reginum, dem heutigen Regensburg.
Ausrüstung und Bewaffnung des Regensburger Legionärs basieren auf zeitgenössischen bildlichen Darstellungen und archäologischen Funden. Er trägt einen Bronze-Helm vom Typ Niederbieber. Seine Unterbeine sind durch prächtig verzierte Beinschienen aus Bronzeblech geschützt. Ähnliche Beinschienen wurden beispielsweise in Regensburg-Kumpfmühl gefunden. Die Lederschuhe und die Beinwickel orientieren sich an Darstellungen auf Soldaten-Grabsteinen des späten 2. und frühen 3. Jahrhunderts n. Chr. sowie an Funden aus Dänemark und Syrien. Die weiße Tunika mit den aufgenähten roten Streifen, die unser Legionär unter dem Kettenpanzer trägt, ist von spätrömischen Originalfunden aus Ägypten inspiriert.
Während das pilum im späten 2. Jahrhundert n. Chr. zwar noch eingesetzt wurde, aber bereits an Bedeutung verloren hatte, wurde nun der Speer (hasta), der zuvor vor allem von Reitern und Hilfstruppensoldaten verwendet worden war, zur bevorzugten Waffe der Legionäre. Große, ovale Schilde mit reich verzierten Schildbuckeln galten nun als »State of the Art«. Bei Ausgrabungen in Dura Europos im heutigen Syrien fand man bemalte römische Holzschilde aus der Zeit um 250 n. Chr. Diese dienten Graham Sumner offenbar als Vorlage.
Und was hat es mit dem Storch auf dem Schild auf sich? Die Erzählung, dass er die Babys bringt, kommt erst im 18. Jahrhundert auf. Aus römischer Sicht verkörperte der Storch die pietas, also die Pflichterfüllung. Störchen wurde nachgesagt, dass sie sich besonders fürsorglich um ihre Brut kümmern und damit einer Pflicht in vorbildlicher Weise nachkamen. Die bereits in der Antike verbreitete Idee, dass der Storch seine Küken notfalls sogar mit seinem eigenen Blut füttert, ist allerdings ein Mythos.
Für besondere Verdienste konnten römische Einheiten mit Ehrentiteln ausgezeichnet werden. So erhielt die 3. Italische Legion – mindestens sechs Mal! – die Auszeichnungen pia und fidelis, was so viel wie »die Pflichterfüllende« bzw. »die Treue« bedeutet.
Zwar ist der Storch für die Zeit des abgebildeten »Regensburgers« nicht als Schildzeichen belegt, da er jedoch ab der Zeit des Kaisers Gallienus (253–268 n. Chr.) als Wappentier der Legio III Italica auf Münzen erscheint, passt er hervorragend auf den Schild unseres Legionärs!
Markus Strathaus
Literatur
Karlheinz Dietz – Thomas Fischer – Veronika Fischer, Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte (Regensburg 2025) 167–175.
Karlheinz Dietz – Thomas Fischer, Regensburg zur Römerzeit. Von Roms nördlichster Garnison zur ersten bairischen Hauptstadt (Regensburg 2018) 93–98. 116–121.
Graham Sumner, Roman Military Clothing 2, AD 200–400, Men-at-arms 390 (Oxford 2003).
Simon MacDowell – Gerry Embelton, Late Roman Infantryman AD 236–565, 9. Auflage (Oxford 2004).
Autor:innen der Reihe
Dr. Markus Strathaus
Jasmin Braun M.A.
Maria Braun B.A.
Arwen Deyhle B.A.
Tobias Esch M.A.
Fabienne Karl M.A.
Henrike Wachsmuth M.A.
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