Objekt des Monats 

 

Im kelten römer museum gibt es viele Ausstellungsstücke zu entdecken. Einige fallen neben den archäologischen Highlights vielleicht nicht sofort ins Auge, doch auch sie haben spannende Geschichten zu erzählen! 

In unserer Reihe »Objekt des Monats« stellen wir ausgewählte archäologische Funde und weitere Exponate aus unserer Dauerausstellung oder einer aktuellen Sonderausstellung näher vor. 

 

 

Beim Erobern: Helme auf! 

Objekt des Monats Mai 2026 

Römischer Helm aus Burlafingen.

Eine der zentralen Fragen der Archäologie lautet: Galt in Schwaben vor 2000 Jahren bereits eine Helmpflicht? Diese Frage bleibt ebenso im Nebel der Vergangenheit verborgen wie der Grund, aus dem das Vorbild für unser Objekt des Monats im Mai 2026 einst in der Nähe des heutigen Burlafingen verloren ging. Und doch erzählt diese nur scheinbar unscheinbare Kopfbedeckung eine ganze Menge. 

In diesem Monat präsentieren wir euch die originalgetreue Kopie eines römischen Legionärshelms aus der Zeit um 40 n. Chr. Das Original befindet sich in der Archäologischen Staatssammlung in München. 

Der aus Bronze gefertigte Helm wurde 1959 beim Kiesabbau in der Nähe des Neu-Ulmer Ortsteils Burlafingen ausgebaggert. Der ursprünglich an der Kalotte angebrachte Knauf sowie die Wangenklappen gingen verloren. Die nach unserem Fundstück benannte »Variante Burlafingen« des römischen Helmtyps »Hagenau« war in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. verbreitet. Charakteristisch ist ihr auffallend breiter Nackenschutz. 

Besonders spannend wird ein archäologischer Fund, wenn hinter ihm konkrete Menschen sichtbar werden, denn auf dem Nackenschutz finden sich drei eingepunzte Inschriften, die Auskunft über ihre einstigen Eigentümer geben: 

LEG(ione) XVI / P(ublii) AUR(elii) SIRI / ARABI M(arci) MUNATI 

»Besitz des Publius Aurelius Sirus« und »Besitz des Marcus Munatius aus der Zenturie des Arabus«. Zuerst wurde der Helm von dem Legionär Publius Aurelius genutzt, später dann von Marcus Munatius. Letzterer diente, wie die Inschrift verrät, in einer Zenturie, also einer Einheit von 80 Mann, die von einem Zenturio namens Arabus befehligt wurde. Beide Soldaten dienten offenbar in der 16. Legion, gemeint ist hier wohl die Legio XVI Gallica, die 16. Gallische Legion, die ihren Beinamen vermutlich aufgrund einer zeitweisen Stationierung in Gallien erhielt. Das Hauptquartier der 16. Legion befand sich ab 9 oder 13 n. Chr. in Mogonticaum, dem heutigen Mainz. 43 n. Chr. wurde sie dann nach Novaesium verlegt, ins heutige Neuss. 

Die Rufnamen des Publius und des erwähnten Zenturios – Sirus und Arabus – deuten darauf hin, dass ihre Familien aus den Provinzen Syria und Arabia Petraea stammten. Die provincia Syria umfasste Gebiete des heutigen Syriens, Libanons, Israels, Palästinas sowie Teile der Südtürkei, während Arabia Petraea Teile des heutigen Jordaniens und der Sinai-Halbinsel einschloss. In einem riesigen Reich wie dem Imperium Romanum stammten die Legionäre aus den unterschiedlichsten Gebieten der damals bekannten Welt. 

Der Helm wurde rund 800 Meter von einem römischen Kleinkastell nahe Burlafingen entfernt gefunden. Dieses bestand ungefähr zwischen 40 und 50 n. Chr. Pfeilspitzen und Schleuderbleie deuten auf eine Besatzung aus Bogenschützen und Schleuderern hin. Außerdem lässt der Helm vermuten, dass dort auch eine Abordnung, lateinisch vexillatio, der 16. Legion stationiert gewesen sein könnte. Eine Verbindung zwischen Kastell und Helm ist jedoch nicht gesichert. 

Offensichtlich wurde der Helm über einen längeren Zeitraum hinweg genutzt und von verschiedenen Soldaten getragen. Ist Publius im Kampf gefallen und hat Marcus daraufhin seinen Helm übernommen? Und warum ging der Helm bei Burlafingen verloren? Der Helm hütet seine Geheimnisse bis heute – doch die Namen von Publius Aurelius, Marcus Munatius und dem Zenturio Arabus haben der Zeit getrotzt und leben weiter. 

Markus Strathaus

Literatur 

A. Radnóti, Ein Legionärshelm aus Burlafingen, Landkreis Neu-Ulm, in: J. Werner (Hrsg.), Aus Bayerns Frühzeit. Festschrift für Friedrich Wagner zum 75. Geburtstag (München 1962) 151–173. 

M. Mackensen (Hrsg.), Frühkaiserzeitliche Kleinkastelle bei Nersingen und Burlafingen an der Oberen Donau. Münchner Beiträge zur Vor- und Frühgeschichte 41 (München 1987) 119–125. 

K.-H. Dietz – T. Fischer – V. Fischer, Bayern zur Römerzeit. Archäologie und Geschichte (Regensburg 2025) 376–377. 

 

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