Ware Mensch?

Objekt des Monats Februar 2020

Halsfessel mit Ketten für Hand- und Fußfesseln aus der Keltenstadt von Manching.

Glaubt man dem antiken Geschichtsschreiber Diodor (1. Jahrhundert v. Chr.), dann war die Gier der Gallier nach Wein derart unermesslich, dass sie eine Amphore des begehrten mediterranen Rebensaftes gegen einen Sklaven eintauschten. Ein solches Angebot schlugen viele römische Händler nur ungern aus.

Die Sklaverei ist ein düsteres Kapitel der Menschheitsgeschichte, das spätestens mit den frühen Hochkulturen des Mittelmeeres und des Nahen Ostens beginnt, aber leider bis in die Gegenwart fortgeschrieben wird.

Unser Fundstück des Monats Februar 2020 lässt vermuten, dass auch die hiesigen Kelten Unfreiheit bzw. Sklaverei kannten. Die insgesamt über vier Meter lange Eisenkette mit Halsfessel stammt vermutlich aus dem 2./1. Jahrhundert v. Chr. und trat bei Ausgrabungen in der Keltenstadt von Manching zutage.

Handelte es sich bei der Person, die sie einst tragen musste, also um einen Sklaven? Vielleicht um einen Kriegs- oder Strafgefangenen? Diese Fragen lassen sich leider nicht mit letzter Gewissheit beantworten. Fest steht aber: Das Objekt zeugt von großem Leid, das mit vollkommener Abhängigkeit und Entmenschlichung einherging.

Markus Strathaus

Literatur

M. Schußmann, Die Kelten in Bayern. Archäologie und Geschichte, 3. Auflage (Regensburg 2022) 266–267 mit Abb. 346a

S. Sievers, Manching. Die Keltenstadt, Führer zu den archäologischen Denkmälern in Bayern – Oberbayern 3, 2. Auflage (Stuttgart 2007) 123–124 mit Abb. 127