Heilige Steine

Objekt des Monats Dezember 2021

Nachbildung der Bamberger Heinrichskrone von Friedemann Gideon Haertl.
Nachbildung eines antiken Kameos mit Minerva an der Bamberger Heinrichskrone.
Nachbildung eines neuzeitlichen Kameos mit Minerva an der Bamberger Heinrichskrone.

In den vorangegangenen Monaten haben wir bereits antike wie auch neuzeitliche Gemmen vorgestellt, die in unserer aktuellen Sonderausstellung »Kunst in Miniatur« präsentiert werden. Im Dezember stammt unser »Objekt des Monats« nun aus dem Mittelalter.

Die Wiederverwendung von antiken Gemmen in der Schatzkunst mittelalterlicher Kirchen und Klöster brachte die Schmucksteine zurück ins Rampenlicht. Erlesene Gemmen zierten nun prachtvoll ausstaffierte Evangeliar-Einbände, kostbare liturgische Geräte oder auch reich dekorierte Reliquienschreine.

In Bayern sind leider nur wenige Beispiele zum Nachleben antiker Gemmen im kirchlichen Kontext erhalten. Eine seltene Ausnahme bildet die Bamberger Heinrichskrone, die Ihr in unserer Sonderausstellung in einer originalgetreuen Nachbildung von Gideon Friedemann Haertl bewundern könnt. Sie wurde uns freundlicherweise vom Diözesanmuseum Bamberg und der Oberfrankenstiftung zur Verfügung gestellt. Benannt ist die Krone nach Heinrich II. (973/978–1024), Herzog von Bayern und römisch-deutscher Kaiser.

Tatsächlich handelt es sich bei der um 1280 geschaffenen Originalkrone nicht um eine von Heinrich persönlich getragene Herrschaftsinsignie, sondern um den Schmuck eines heute verlorenen Büstenschreins. Dieser Schrein aus dem Bamberger Domschatz barg die Schädelreliquie von Heinrich II., der 1007 das Bistum Bamberg gegründet hatte und 1146 heiliggesprochen wurde.

Zwei in die Krone eingepasste Gemmen – ein antikes und ein renaissancezeitliches Exemplar – zeigen die Büste einer Frau mit zurückgeschobenem Helm: Es handelt sich um Minerva, die römische Göttin der Weisheit, die auch für ihre Wehrhaftigkeit und Keuschheit bekannt war. Diese Tugenden ließen sich gut auf Heinrich als vorbildhaften Herrscher übertragen.

Die »heidnischen« Motive der Gemmen waren aus christlicher Perspektive somit kaum ein Problem! Mittelalterliche Schriftquellen überliefern sogar die Vorstellung, dass einst Gott den antiken Steinschneidern die Hände führte und die Gemmen von seiner Macht erfüllt seien. An hohen Feiertagen konnten die Steine auf einem Altar präsentiert und ihre göttlichen Kräfte rituell reaktiviert werden.

Jasmin Braun

Literatur

M. Strathaus, Göttliche Kraft, in: T. Esch (Hrsg.), »Die Ideen der Alten.« Zum Nachleben antiker Steinschneidekunst in Bayern, Schriften des kelten römer museums manching 14 (Manching 2021) 40–43 mit Kat. E3