Quälgeist und Gourmet

Objekt des Monats März 2020

Römische Bronzefigur einer knabbernden Maus aus Oberstimm.

Was geht Euch beim Anblick einer vorbeihuschenden Maus durch den Kopf? Schädling oder niedlicher Besuch?

Bereits in der römischen Antike war die Maus ein zwiespältiges Wesen: Auf der einen Seite galt sie als unersättliche, sich rasend schnell vermehrende Plage, die Ernte und Vorräte bedrohte. Gleiches galt für Ratten, die begrifflich nicht von den Mäusen unterschieden wurden.

Eine andere, sehr positive Seite des Nagers zeigt hingegen unser Objekt des Monats März 2020, ein Bronzefigürchen aus dem Kastell von Oberstimm (um 100 n. Chr.). Eine Maus hält eine ergatterte Frucht in ihren Pfoten. Besonders in der römischen Kaiserzeit liegt das Motiv der »knabbernden Maus« voll im Trend, sie ist auf Mosaiken, Lampen und Fingerringen, in der Wandmalerei, als Figur usw. anzutreffen.

Die Gefräßigkeit ließ sich als gesunder Appetit auslegen: Es sind Speisen im Überfluss vorhanden, man kann sich genüsslich den Bauch vollschlagen. Viele tanzende Mäuse im Haus seien ein gutes Vorzeichen für Lebensfreude, so der griechische Wahrsager und Traumdeuter Artemidor von Daldis (2. Jahrhundert n. Chr.).

Die Maus war also ein Symbol für Fruchtbarkeit, Fülle und Wohlleben, was sich offenbar auch die Menschen im römischen Oberstimm an der nördlichen Außengrenze des Imperiums erhofften.

Das Bronzefigürchen befindet sich in unserem »Mutterhaus«, der Archäologischen Staatssammlung. Es taucht auch in unserem neuen Kinder-Podcast »Fa-bel-haft!« auf, der am 17. Mai 2020 erstmals beim Kulturkanal Ingolstadt und auf unserem YouTube-Kanal ausgestrahlt wird.

Markus Strathaus

Literatur

H. Schönberger, Kastell Oberstimm. Die Grabungen von 1968 bis 1971, Limesforschungen 18 (Berlin 1978) 185 Kat. B 412 mit Taf. 29 und 42

B. Steidl, Haselmaus. In Bronze und im Ofen, in: R. Gebhard (Hrsg.), Archäologische Staatssammlung München. Glanzstücke des Museums (Berlin 2010) 138–139