Die Hufe schwingen für das Imperium

Objekt des Monats September 2020

Nackenschutz eines römischen Helms mit Punzinschrift aus Oberstimm.

Nicht nur auf Feldzügen, sondern auch bei der Überwachung seiner Grenzen setzte Rom auf eine besondere Form mobiler Kampfeinheiten: die Kavallerie.

Dass auch im römischen Militärkastell von Oberstimm berittene Verbände stationiert waren, davon erzählt unser Objekt des Monats September 2020. Der bronzene Nackenschirm aus dem 1./2. Jahrhundert n. Chr. gehörte einst zum Helm eines Reitersoldaten.

Gleich mehrfach ist inschriftlich angegeben, dass der bzw. die Besitzer des Helmes der T(urma) Grati Flavi angehörte(n). Dabei handelte es sich um eine Reiterschwadron von etwa 30 Kavalleristen, die lateinisch als turma bezeichnet wird. In unserem Fall stand sie unter dem Kommando eines Offiziers namens Gratus Flavus.

Die Reiter in Oberstimm gehörten nicht etwa zu den hinlänglich bekannten Legionen, sondern zu den sogenannten Auxiliar- oder Hilfstruppen, genauer zu einer teilberittenen Kohorte mit etwa 500 Mann. Die auxilia wurden in der Kaiserzeit aus der einheimischen Bevölkerung in den römischen Provinzen rekrutiert. Gute Beispiele sind die germanischen Bataver am Niederrhein und die Thraker im östlichen Balkan, die beide als berühmt-berüchtigte Reiterkrieger galten.

Hatten die Hilfstruppensoldaten eine Dienstzeit von 25 Jahren ehrenhaft absolviert, erhielten sie bei der Entlassung schließlich das römische Bürgerrecht. Dieses Privileg eröffnete ihnen und ihren Nachkommen enorme Aufstiegsmöglichkeiten in der Gesellschaft des Imperium Romanum (siehe hierzu auch unser Objekt des Monats August 2022).

Markus Strathaus

Literatur

H. Schönberger, Kastell Oberstimm. Die Grabungen von 1968 bis 1971, Limesforschungen 18 (Berlin 1978) 167 Kat. B 64 mit Taf. 19 und 42