Geschnittenes Geschmeide mit Seepferd

Objekt des Monats Oktober 2020

Späthellenistische Gemme mit Hippokamp aus dem keltischen Oppidum von Manching.

Siegel, Modeaccessoire, Statussymbol, Talisman… Gemmen, also geschnittene Schmuck- und Edelsteine, die zumeist in Fingerringen aus Eisen, Bronze, aber auch Silber und Gold getragen wurden, erfüllten in der Antike eine Vielzahl von Funktionen.

Bei unserem Objekt des Monats Oktober 2020 handelt es sich um eine Glasgemme in einem eisernen Fingerring, die bei Ausgrabungen im keltischen Oppidum von Manching gefunden wurde. Glasgemmen konnten »echte« Steine imitieren und stellten somit eine kostengünstige Variante dar. Hier ähnelt das hellbraune, leicht durchscheinende Glas Karneol oder Bernstein.

Während keltische Handwerker die Fertigung von Glasschmuck nahezu bis zur Perfektion gebracht hatten (siehe hierzu unser Objekt des Monats August 2020), waren die römischen Kollegen zumindest in Sachen Gemmenproduktion Spitzenreiter. Seit der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. erlebte die Steinschneidekunst unter den Römern einen regelrechten Boom – aus eben dieser Zeit stammen vermutlich auch der Ring und die Gemme.

Gelangte unser Schmuckstück – quasi als erlesenes Importprodukt – über den Handel von Italien nach Manching?

Aber nicht nur wirtschaftlichen, sondern auch kulturellen Austausch bezeugt das dargestellte Motiv. Abgebildet ist ein »Seepferdchen«, jedoch nicht die real existierende Spezies, sondern ein in der griechischen und römischen Kunst häufig dargestelltes Fabelwesen, der Hippokamp. Sein Name setzt sich zusammen aus den griechischen Begriffen híppos (ἵππος) = Pferd und kámpos (κάμπος) = Seeungeheuer. Folglich besteht der Hippokamp vorne aus einem Pferd und hinten aus einem Fisch, oftmals diente es Meeresgottheiten als Reittier.

Markus Strathaus

Literatur

G. Platz-Horster, Antike Gemmen aus Bayern in der Archäologischen Staatssammlung, Ausstellungskataloge der Archäologischen Staatssammlung 42 (München 2018) 25 Kat. 2