Vom Regenbogen ins Portemonnaie

Objekt des Monats Dezember 2020

Geldbörse mit keltischen Kleingoldmünzen und einem sogenannten Regenbogenschüsselchen aus Manching.

Münzgeld – für uns ist es heute ein selbstverständliches Zahlungsmittel, das seit einiger Zeit verstärkt durch andere Zahlungsmethoden ersetzt und gegenwärtig sogar im Generellen diskutiert wird.

In der keltischen Welt hingegen stellte das Münzwesen im 4. Jahrhundert v. Chr. eine Innovation gegenüber der vormals üblichen Tauschwirtschaft dar. Vermutlich gelangte die Geldwirtschaft im Gepäck keltischer Söldner, die z. B. von Griechen angeheuert und in Form von Münzgeld entlohnt wurden, aus dem Mittelmeerraum nach Süddeutschland. Seit dem 3. Jahrhundert v. Chr. wurden auch im Manchinger Oppidum Münzen geprägt.

Unser Objekt des Monats Dezember ist ein bronzener Geldbeutel, den Ausgrabungen in der Keltenstadt von Manching ans Licht brachten und der möglicherweise in die Zeit um 200 v. Chr. datiert. Mit einer Breite von knapp 4 Zentimetern könnten wir hier von einem »praktischen Hosentaschenformat« sprechen. Die Mini-Geldbörse ließ sich, worauf ein kleiner Knauf an der Oberseite hindeutet, offenbar mit einem Leder- oder Stoffstreifen verschließen. Ihr Inhalt bestand bei Auffindung aus 6 kleinen Goldmünzen, die aus Südbayern und Böhmen stammen und deren Gewicht sich zwischen 0,3 und 2 Gramm bewegt.

Bei dem etwas größeren, leicht gewölbten Exemplar – auf dem Bild direkt vor dem Schlitz positioniert – handelt es sich um ein sogenanntes Regenbogenschüsselchen. Woher stammt dieser kuriose Name, der bereits im 17. Jahrhundert belegt ist? Da die glänzenden Goldmünzen häufig nach Gewittern auf den gepflügten Äckern entdeckt wurden, verbreitete sich die sagenhafte Vorstellung, der Regebogen sei mit Gold verkleidet. Und er verliert diese Verkleidung natürlich dort, wo er den Boden berührt! Züge dieses Bildes haben sich bis heute im Sterntaler-Märchen bewahrt oder in der Erzählung vom Topf voll Gold, der am Ende eines Regebogens wartet.

Markus Strathaus

Literatur

B. Ziegaus, Keltische Geldbörse. Anfänge der Münzkunst in Bayern in: R. Gebhard (Hrsg.), Archäologische Staatssammlung München. Glanzstücke des Museums (Berlin 2010) 132–133

B. Ziegaus, Receptacles for Storage and Transport of Celtic Coins in the Middle and Late La Téne Periods, Bayerische Vorgeschichtsblätter 85, 2020, 99–125