Geld? Alles eine Frage der Balance
Objekt des Monats Juni 2026
Sieben Zentimeter antike Wirtschaftsgeschichte: Diese bronzene keltische Feinwaage aus dem 2./1. Jahrhundert v. Chr., unser Objekt des Monats Juni 2026, ist ein anschauliches Zeugnis für die Bedeutung der Keltenstadt von Manching als antiker Handelsmetropole.
Bei Ausgrabungen im Oppidum wurden unterschiedliche Einzelteile, also zwei Waagschalen, der Waagbalken und die feinen Drähte, entdeckt und zu einer Waage zusammengefügt. Ursprünglich gehörten sie nicht zusammen. Mit solchen Waagen wurde vermutlich Gold und Silber abgewogen – sie waren damit ein wichtiges Instrument des antiken Münzwesens, da bestimmte Münztypen entsprechenden Gewichtsvorgaben folgten. Um eine Münze herzustellen, wurde die jeweils erforderliche Menge an Edelmetall vor dem Schmelzen mit einer Feinwaage exakt abgewogen. Vermutlich dienten dabei andere Münzen als Gegengewichte. So ließen sich Münzen auch im Zahlungsverkehr auf ihren tatsächlichen Materialwert überprüfen.
Das Manchinger Oppidum lag an der Kreuzung zweier wichtiger Handelsrouten. Ab etwa 200 v. Chr. verfügte es sogar über einen eigenen Hafen im Stadtinneren und war damit ein zentraler Knotenpunkt des weiträumigen Warenverkehrs – die Handelskontakte der Manchinger Kelt*innen reichten bis in den Mittelmeerraum.
Da es keine einheitliche »Weltwährung« gab, orientierte sich der Handel meist am Gewicht von Edelmetallen. Für einen reibungslos funktionierenden Fernhandel spielten Waagen also eine entscheidende Rolle. Kein Wunder, dass in der Keltenstadt bislang über 20 Bestandteile von Waagen entdeckt wurden. Das hier vorgestellte Messgerät war allerdings nur für Gewichte bis maximal 20 Gramm ausgelegt – das entspricht etwa drei keltischen »Regenbogenschüsselchen«.
Markus Strathaus
Literatur
Dorothea van Endert, Die Bronzefunde aus dem Oppidum von Manching. Kommentierter Katalog, Die Ausgrabungen in Manching 13 (Stuttgart 1991) 59–60. 125–126 Taf. 15.
Susanne Sievers, Manching. Die Keltenstadt, Führer zu den archäologischen Denkmälern in Bayern – Oberbayern 3, 2. Auflage (Stuttgart 2007) 83.
Markus Schußmann, Die Kelten in Bayern. Archäologie und Geschichte, 3. Auflage (Regensburg 2022) 299–300.
