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kelten römer museum manching  |  E-Mail: info@museum-manching.de  |  Online: http://www.museum-manching.de

Von Dr. Bernward Ziegaus (Archäologische Staatssammlung München)

Keltischer Goldschatz - Numismatischer Überblick

Der von den Archäologen der Römisch-Germanischen Kommission aufgedeckte Schatz umfasst über 450 Münzen. Ein Schatzfundgefäß ist nicht nachgewiesen. Drei Bronzeringe, die zusammen mit den Münzen geborgen wurden, dienten wahrscheinlich als Verschluss eines Stoff- oder Lederbeutel in dem der Fund ursprünglich lag. Der Beutel selbst ist nicht erhalten.

 

Obwohl bereits in den vergangenen 15 Jahren vereinzelt keltische Münzschätze in der Oberpfalz, Niederbayern und Schwaben zu Tage kamen, handelt es sich bei dem neu gefundenen Schatz nicht nur um den ersten großen Goldschatz aus dem Oppidum von Manching, sondern um den größten keltischen Goldfund unseres Jahrhunderts.

Schon am Ende des 3. Jahrhunderts v. Chr. hatte man in der Siedlung von Manching Goldmünzen geprägt, allerdings in nur geringen Stückzahlen. Mit dem Aufschwung Manchings zu einem zentralen Ort im 2. Jahrhundert v. Chr. begann eine umfangreiche Münzprägung in Gold und Silber. Der antike Name für die in Manching geprägten Goldmünzen ist unbekannt. In der Literatur heißen sie Regenbogenschüsselchen und tragen diesen Namen deshalb, weil sie schüsselförmig sind und der Sage nach am Ende des Regenbogens gefunden werden.

 

Interessanterweise handelt es sich bei dem neuen Fundkomplex jedoch nicht um die gut bekannten südbayerischen Regenbogenschüsselchen, sondern zur Gänze um Goldmünzen aus Böhmen. Keltische Gold- und Silbermünzen aus dem Gebiet der Boier waren in Manching bisher selten bezeugt. Die Größenordnung des Schatzfundes verstärkt nun den Eindruck, dass es zwischen den keltischen Siedlungen in Bayern und Böhmen intensivere Kontakte gab, als bisher vermutet. Im Schatzfund sind ausschließlich große Goldstücke mit Gewichten zwischen 7 und 7,5 Gramm vertreten, obwohl Funde von vereinzelten Goldmünzen aus Böhmen belegen, dass man dort auch Teilstücke prägte.

 

Die böhmischen Goldmünzen des Schatzfundes sind von wissenschaftlicher Seite als ,,boische Statere der Älteren Goldprägung" anzusprechen. Sie wurden im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. geprägt und bestehen aus dem Gold, welches die Kelten im Bergbau und beim Goldwaschen an Flüssen gewonnen hatten. Die Münzen sind aus einer hochwertigen Goldlegierung hergestellt und verfügen über einen höheren Gehalt als die südbayerischen Regenbogenschüsselchen. Der Wert einer böhmischen Goldmünze lag damit in der Antike deutlich über dem eines Regenbogenschüsselchens, so dass der neue Schatzfund aus Manching alle bisher bekannten Wertgrößen übersteigt.

 

Neben den Münzen fand sich auch ein über 200 Gramm schwerer Goldklumpen, der allem Anschein nach aus zusammengeschmolzenem Rohmaterial besteht. Den Klumpen hatte man in der Antike rundherum befeilt. Vielleicht ist dies ein Hinweis darauf, dass das Stück über ein ganz bestimmtes Gewicht verfügen sollte, ganz ähnlich wie die Münzen, die man nach einem vorgegebenen Gewichtsstandard geprägt hatte.

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