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kelten römer museum manching  |  E-Mail: info@museum-manching.de  |  Online: http://www.museum-manching.de

Von Dr. Susanne Sievers (Römisch-Germanische Kommission Frankfurt/Main)

Keltischer Goldschatz - Allgemeine Einordnung

Manching zeichnete sich in keltischer Zeit durch seine verkehrspolitisch günstige Lage aus. Das 380 ha große Oppidum, das in seiner Spätphase von einer 7 km langen Mauer umgeben war, lag an der Mündung der Paar in die Donau und verfügte mit einem in das Oppidum eingreifenden Donau-Altarm über eine ideale Schiffslände. Umgeben von Sumpferz und anderen lebenswichtigen Ressourcen bot es mit seiner Lage in der Ebene einen perfekten Wirtschaftsstandort.

 

Großflächige Grabungen während der vergangenen 40 Jahre unter der wissenschaftlichen Leitung der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Verbindung mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und der Prähistorischen Staatssammlung haben Einblick in die etwa 300 Jahre währende Geschichte der Keltensiedlung ermöglicht, deren Aufstieg in den letzten Jahrzehnten des 4. Jhs. v. Chr. begann und deren Niedergang um die Mitte des 1. Jhs. v. Chr. angesetzt wird.

In den vergangenen vier Jahren wurden am östlichen Ortsrand Manchings im Rahmen einer Baumaßnahme der Gemeinde 6 Hektar des Oppidums untersucht. Die Ausgrabungen lieferten in vielerlei Hinsicht neue Erkenntnisse, die unser Bild von der Rolle des keltischen Manchings präzisiert haben.

 

Den Münzschatz in die bewegte Geschichte der Siedlung einzuordnen, ist nicht einfach, da er nur allgemein ins 2. und frühe 1. Jh. datiert werden kann. Wann genau er in diesem Zeitraum niedergelegt worden ist, ist vorerst rätselhaft, wenn auch ausgeschlossen werden kann, dass er mit dem Ende Manchings zu tun hat. Er steht damit nicht allein, denn auch ein 1936 geborgener Silber-Münzschatz aus dem Oppidum gehört diesem Zeithorizont an.

Will man nicht an eine Niederlegung aus kultischen Gründen, etwa ein Opfer, denken, dann kann es sich nur um einen Versteckfund handeln. Dies würde auf kriegerische Zeiten oder eine Katastrophe schließen lassen, denn andernfalls wäre der verborgene Schatz wieder gehoben worden. Zu fragen ist aber auch, ob der Münzschatz mit seinem goldenen Gusskuchen nicht einen handwerklichen Aspekt spiegelt. Schließlich war Manching mit seinen zahlreichen Gussformfunden für Münzschrötlinge (sog. Tüpfelplatten) und einer jüngst entdeckten Patrize für einen Stempel, mit dem Silbermünzen geschlagen wurden, ein zentraler Ort für die Münzprägung.

 

Die Münzen waren, vom damaligen Wert her gesehen, wohl kaum im Besitz eines Händlers oder gar eines Handwerkers; vielmehr gehörten sie dem Stamm oder einer politisch führenden Persönlichkeit. Überraschend ist vor allem, dass das Depot ausschließlich aus boischen (also böhmischen) Münzen besteht. Gemeinsam mit einer Manchinger Scherbe, die den Schriftzug BOIOS trägt - ,,einer, der aus Böhmen kommt" - liefert der Münzschatz den bisher beeindruckendsten Beleg für die damals engen Verbindungen zwischen Bayern und Böhmen, das für seinen Goldreichtum bekannt war. Es ist unklar, auf welche Art und Weise die boischen Münzen nach Manching gelangt sind. Die Tatsache, dass der Münzschatz zwischen dem Hafen und einem Sitz der Nobilität gefunden wurde, lässt einen Zusammenhang mit dem von der Oberschicht kontrollierten Fernhandel erahnen. Manching hat als internationales Zentrum aus dem Mittelmeerraum u.a. Wein und Fischsaucen in Amphoren, bronzenes Tafelgeschirr und kostbare gläserne Trinkschalen importiert. Es bleibt Aufgabe der künftigen Bearbeitung, zu klären, welche Rolle der Manchinger Goldschatz in diesem Gefüge gespielt hat. Er unterstreicht die damalige Bedeutung Manchings, aber er belohnt auch die Ausgräber für vier Jahre mühevoller Arbeit.

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