Zum Inhalt (ALT-C)
Zur Navigation (ALT-N)
Zur Startseite (ALT-S)

kelten römer museum manching  |  E-Mail: info@museum-manching.de  |  Online: http://www.museum-manching.de

Von Prof. Dr. Werner Krämer (Wiesbaden)

Die Geschichte der Kelten - Das Oppidum in Manching - Forschungsgeschichte

Das keltische Oppidum bei Manching
Das keltische Oppidum bei Manching

Der große prähistorische Ringwall bei Manching, einst in der weiten Flussebene direkt am Südufer der Donau bei der Einmündung der Paar angelegt, hat als eines der markantesten Bodendenkmale nördlich der Alpen schon früh die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Die Keltenstadt, die er als Mauerring in den letzten Jahrhunderten v.Chr. umzogen hatte, hatte die Zeitwende nicht überdauert. Ihr Name war, als die Römer ihre Straße entlang der Donau bauten, wohl vergessen, und so nannten sie in der Spätantike eine Straßenstation in dieser Gegend nach dem alten Keltenwall Vallatum. Als später die Baiuwaren Herren des Landes geworden waren, bekam der Ringwall - wie der römische Limes - den Namen ,,Der Pfahl", der seit dem Mittelalter bezeugt ist.

Als Landmarke war die alte Befestigung jahrhundertelang nicht nur Grenze der Manchinger Gemeindeflur, sondern auch Landes- und Bistumsgrenze.

Beschrieben hat den Manchinger Ringwall zuerst der Münchner Historiker Andreas Buchner (1776-1854), der hier das römische Vallatum entdeckt zu haben glaubte, das übrigens bis heute nicht genau lokalisiert werden konnte. Er erwähnt auch zwei in Manching gefundene ,,Regenbogenschüsselchen", also keltische Goldmünzen, von denen der Professor im Jahre 1831 freilich meint: ,,Römer-Münzen scheinen sie nicht zu seyn, lieber möchte ich sie für morgenländische, oder auch für gothische Münzen halten". Erst mehr als ein halbes Jahrhundert später hat im Jahre 1888 der Hauptmann a.D. Hugo Arnold, ein bekannter Römerstraßenforscher, vorsichtig in einem Zeitungsbeitrag die Vermutung geäußert, dass der Manchinger Ringwall von den Kelten erbaut sei und eines ihrer Oppida darstellt. Das Werk des französischen Kaisers Napoleon III. zur ,,Geschichte Julius Cäsars" hatte die Aufmerksamkeit auf die Oppida der Gallier im heutigen Frankreich gelenkt.

Vor hundert Jahren (1892) hat dann der Gründer der Prähistorischen Staatssammlung München, Johannes Ranke (1836-1916), erste archäologische Ausgrabungen in Manching veranlasst und damit den Würzburger Gymnasialprofessor Josef Fink (1850-1929) beauftragt. Veröffentlicht hat dieser 1895 nur sieben keltische Flachgräber aus dem Friedhof am ,,Steinbichel", der außerhalb des Ringwallareals angeschnitten worden war. Der Wall wird damals für eine ,,nachrömische Anlage" gehalten.

Karte der Grabungen im Oppidum von ManchingPaul Reinecke (1872-1958), einer der Gründungsväter der modernen Vorgeschichtsforschung, hat schließlich auch hier endgültige Klarheit geschaffen. Er war 1899 Assistent am Römisch-Germanischen Zentralmuseum in Mainz geworden und auch an der Inventarisation der Bodendenkmäler in Bayern beteiligt. Dabei fand er in den Museen von Berlin, München und Ingolstadt bisher unbeachtete keltische Bronzen. Seine detektivischen Nachforschungen ergaben, dass sie im Manchinger Ringwallareal auf der Flur ,,Im Leisenhart" von Bauern gefunden, verheimlicht und im Kunsthandel verstreut worden waren. Sie glichen Oppidafunden aus Frankreich und Böhmen, so dass P. Reinecke im Jahre 1903 dem bekannten französischen Archäologen Joseph Déchelette (1862-1914) schreiben konnte: ,,Ich zweifle nicht an der Richtigkeit meiner Combination, nämlich dass der riesige Ringwall von Manching ein keltisches Oppidum umschließt". Die Bronzen vom Leisenhartfund sind mehr als ein Menschenalter lang die einzigen nennenswerten und zeitbestimmenden Funde aus dem Oppidum geblieben, obwohl P. Reinecke dem Platz auch weiterhin größte Aufmerksamkeit geschenkt hat. Er ist 1908 als Vorgeschichtsreferent an das ,,Generalkonservatorium der Kunstdenkmale und Altertümer Bayerns", das heutige Landesamt für Denkmalpflege, gekommen, wo er dann dreißig Jahre lang gewirkt hat.

In das Ende seiner Dienstzeit fällt eine der größten Katastrophen, von denen die Bodendenkmalpflege in Bayern betroffen worden ist. Im Zuge der deutschen Kriegsrüstung hat die Luftwaffe in den Jahren 1936 bis 1938 in Manching einen Flugplatz angelegt, wobei strenge Geheimhaltung angesagt war. Dabei wurden nicht nur große Strecken des Ringwalles eingeebnet. Ein Heer von Erdarbeitern, ausgerüstet mit riesigen Dampfbaggern, Feldbahnen und anderem Baugerät, planierte fast die Hälfte des alten Oppidumareals, das bis dahin von Äckern und Wiesen bedeckt war. Überall hat man den Humusboden abgegraben und die neue Flugplatzfläche mit Kies verfestigt. Es wurde Tag und Nacht gearbeitet. Die Denkmalpflege stand dem militärischen Anspruch hilflos und ratlos gegenüber und wandte sich bald resigniert ab. Dem Historischen Verein Ingolstadt gebührt das Verdienst, die Funde gerettet zu haben, die von gutwilligen Baustellenleitern und Vorarbeitern zur Seite gelegt worden waren. Dr. Josef Reichart (1897-1987) hat viel von dem wertvollen Material ins Museum Ingolstadt gebracht und in der Vereinszeitschrift veröffentlicht. Die Funde bewiesen eindrucksvoll die große Bedeutung des Oppidums, wenn sie auch, wie einst der Leisenhartfund, unbeobachtet aus dem Boden gewühlt worden waren.

Luftbild der Grabungen von 1965

Es ist der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts zu Frankfurt a. M. zu danken, dass wenigstens der Ringwall selbst, als er im Nordostteil auf 800 m Länge abgebaggert wurde, genauer untersucht werden konnte. Sie gab dem Nachfolger von P. Reinecke, Karl Heinz Wagner (1907-1944), die Mittel für eine Ausgrabung, durch die im März 1938 die Geschichte der Umwehrung der Keltenstadt endgültig geklärt werden konnte. K. H. Wagner, der ein hervorragender Ausgräber war, fand im Wall Reste einer Frontmauer aus Jurakalksteinen, die ursprünglich durch ein vernageltes Holzgerüst mörtellos zusammengehalten und von dem mächtigen Erdwall hinterschüttet war. Sie war später in einer anderen Holz-Stein-Konstruktion repariert worden. K. H. Wagner publizierte eine Rekonstruktion der Manchinger Mauer, die, bis heute immer wieder abgebildet, ganz der Beschreibung entspricht, die Cäsar von dem gallischen Mauerwerk, dem murus Gallicus, gibt, als er von der Belagerung der Keltenstadt Avaricum, dem heutigen Bourges in Frankreich, berichtet. Als der Ausgrabungsbericht im Druck erschien, war schon Krieg. K. H. Wagner ist in Russland gefallen, und der Flugplatz in Manching ist das Ziel schwerster Bombenangriffe geworden. Was noch intakt war, wurde bei Kriegsende gesprengt, verwüstet und ausgeplündert.

Das Gelände des alten Oppidums bot hier das Bild einer trostlosen Trichterlandschaft, als der Berichterstatter, seit 1947 Nachfolger K. H. Wagners am Landesamt, nach zehn Jahren zum ersten Mal wieder nach Manching kam. Immerhin waren in dem weitflächigen Oppidum die Ackerfluren außerhalb des Flugplatzes unversehrt geblieben, und im alten Militärgelände waren Teile des Ringwalles mit dem Osttor einigermaßen unzerstört erhalten. Als Forschungsobjekt schien Manching gerade damals von erstrangigem Interesse, war doch das Problem der keltischen Oppida durch Studien von Joachim Werner, Kurt Bittel, Wolfgang Dehn und durch die Grabung von K. H. Wagner wieder in den Mittelpunkt der Vorgeschichtsforschung, nicht nur in Süddeutschland, gerückt.

Da in der Not der ersten Nachkriegsjahre an größere Ausgrabungen nicht zu denken war, haben wir zunächst eine sorgfältige topographische Aufnahme des Oppidums veranlasst und diese als Sonderkarte im Maßstab 1:5000 für Zwecke der denkmalpflegerischen Planung drucken lassen. Ein Wirtschaftsplan der Gemeinde Manching setzte der Überbauung des noch intakten Oppidumgeländes klare Grenzen.

drucken nach oben